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Wissensmanagement [-ˌmænɪdʒmənt] (englisch knowledge management) ist ein zusammenfassender Begriff für alle strategischen bzw. operativen Tätigkeiten und Managementaufgaben, die auf den bestmöglichen Umgang mit Wissen abzielen. Beiträge zum Wissensmanagement – theoretischer wie praktisch-anwendungsorientierter Art – werden in vielen Disziplinen entwickelt, insbesondere in der Betriebswirtschaftslehre, der Informatik, der Informationswissenschaft, der Sozialwissenschaft, der Pädagogik oder der Wirtschaftsinformatik. Wissensmanagement ist die methodische Einflussnahme auf die Wissensbasis eines Unternehmens (organisatorisches Wissensmanagement) bzw. der eigenen Person (Persönliches Wissensmanagement). Unter der Wissensbasis werden alle Daten und Informationen, alles Wissen und alle Fähigkeiten verstanden, die diese Organisation bzw. Person zur Lösung ihrer vielfältigen Aufgaben hat oder haben sollte. Bei organisationalem Wissensmanagement sollen individuelles Wissen und Fähigkeiten (Humankapital) systematisch auf unterschiedlichen Ebenen der Organisationsstruktur verankert werden. Organisationales Wissensmanagement kann daher als intervenierendes Handeln verstanden werden, das auf den Theorien der Organisationslehre und des organisationalen Lernens beruht und diese systematisch in die Praxis überführen will. Als ein Ergebnis des heutigen wissens- und innovationsorientierten Kommunikationszeitalters wird das im Unternehmen vorhandene Wissenskapital immer mehr zum entscheidenden Produktionsfaktor.

Wissen wird in der Erkenntnistheorie traditionell als wahre und gerechtfertigte Meinung (justified true belief) bestimmt. Generell wird Wissen als ein für Personen oder Gruppen verfügbarer Bestand von Fakten, Theorien und Regeln verstanden, die sich durch den größtmöglichen Grad an Gewissheit auszeichnen, so dass von ihrer Gültigkeit bzw. Wahrheit ausgegangen wird. Paradoxerweise können daher als Wissen deklarierte Sachverhaltsbeschreibungen wahr oder falsch, vollständig oder unvollständig sein. Der Ausdruck ‚Wissen‘ stammt von althochdeutsch wizzan' bzw. der indogermanischen Perfektform *woida ,ich habe gesehen‘, somit auch ,ich weiß‘ ; von der indogermanischen Wurzel *weid- leiten sich auch videre ,sehen‘ und Sanskrit veda ,Wissen‘ ab. Die Definition als wahre und gerechtfertigte Meinung ermöglicht die Unterscheidung zwischen dem Begriff des Wissens und verwandten Begriffen wie Überzeugung, Glauben und allgemeiner Meinung. Sie entspricht zudem weitgehend dem alltäglichen Verständnis von Wissen als „Kenntnis von etwas haben“. Dennoch besteht in der Philosophie keine Einigkeit über die korrekte Bestimmung des Wissensbegriffs. Zumeist wird davon ausgegangen, dass wahre, gerechtfertigte Meinung nicht ausreichend für Wissen ist. Zudem hat sich ein alternativer Sprachgebrauch etabliert, in dem Wissen als vernetzte Information verstanden wird. Entsprechend dieser Definition werden aus Informationen Wissensinhalte, wenn sie in einem Kontext stehen, der eine angemessene Informationsnutzung möglich macht.

Ein Wissensmanager ist die Person in einem Unternehmen, die sich mit der Koordination und der strategischen Ausrichtung des Wissens einer Organisation beschäftigt. Er schafft Sensibilität für das Thema und die Bedeutung der Ressource Wissen. Darüber hinaus nehmen Wissensmanager auch operative wissensbezogene Aufgaben wahr, z.B. die Mitgestaltung von Systemen und Tools, die Analyse und Bewertung von Wissensprozessen oder die Unterstützung interner Information und Kommunikation. In der Vorstandsebene erfüllt diese Rolle der Chief Knowledge Officer. Die Position bzw. Rolle des Wissensmanagers in Unternehmen kann sehr unterschiedlich sein (zentral oder dezentral, Teilzeit- oder Vollzeitstelle, Einzelperson oder Team). Sie ist unter anderem abhängig von der Größe des Unternehmens; in großen Unternehmen wird diese Rolle oft als Stabsstelle/ interner Berater ausgeführt, in kleinen Unternehmen wird aus Kostengründen selten ein Vollzeit-Wissensmanager beschäftigt. Andere Faktoren die die Rollendefinition in einem Unternehmen bestimmen sind: das zur Verfügung gestellte Budget, der Stellenwert von Wissensmanagement in der Organisation, die bereits etablierten Wissensmanagement-Strukturen in der herkömmlichen Ablauforganisation und der Ausstattung mit IT/Wissensmanagement Werkzeugen. Wissensmanager können in verschiedenen Abteilungen einer Organisation angesiedelt sein (Personalabteilung, interne Organisation, IT, Stabsstelle der Geschäftsführung, Controlling, Forschung und Entwicklung, Abteilung Strategie/Geschäftsplanung, Project Management Office, Qualitätsmanagement, etc.).

Die Gesellschaft für Wissensmanagement e.V. (abgekürzt: GfWM) ist das größte regional verteilte und überregional verbundene Netzwerk von Akteuren im Wissensmanagement im deutschen Sprachraum. Seit dem 17. März 2000 fördert die eingetragene gemeinnützige GfWM das ganzheitliche Verständnis und die Verbreitung von Wissensmanagement in Gesellschaft und Organisationen (Unternehmen, Vereinen, Parteien, etc). Über Regionalgruppen (z.B. Berlin, Frankfurt u. a.) bietet die GfWM eine für alle Interessierten offene Plattform zum regelmäßigen, interdisziplinären Austausch zu Praxis- und Forschungserfahrungen. So fand 2010 in Frankfurt bereits die 100. Veranstaltung statt und in Berlin ist 2013 die zehnjährige Gründung gefeiert worden. Während die Gründung auf eine Hochschulinitiative zurückgeht, stand gleich von Beginn an die GfWM sowohl Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Politik und interessierten Einzelpersonen offen. Mitglieder aus der Wissenschaft sind u.a. Prof. Dr. Probst (Uni Genf), Prof. Dr. Peter Pawlowsky (TU Chemnitz), Prof. Dr. North (FH Wiesbaden), aus der Wirtschaft Vertreter von u. a. IBM, Bosch, BMW, ThyssenKrupp, Credit Suisse, PricewaterhouseCoopers, aber auch von klein- und mittelständischen Unternehmen, sowie freiberufliche Berater und Vertreter öffentlicher Verwaltungen und Institute (u. a. Stadt Erlangen, Stadt Köln, Innenministerium BaW, Stadtbilbilothek Würzburg).

Hauptseite: Wissensmanagement Der Wissenszirkel ist eine Zirkelform, die neben Wissensentwicklung und Wissensweitergabe das Ziel der Generierung neuen Wissens und der Innovationsfindung verfolgt. Der Begriff des Wissenszirkels ist dem Zirkelbegriff untergeordnet und lässt sich von anderen Zirkelformen (wie zum Beispiel Erfahrungszirkel oder Problemlösezirkel) abgrenzen. Dennoch existieren viele Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Zirkelformen. Zirkel sind in einer Organisation der Raum, in dem Mitglieder der Organisation gruppenorientiert und erfahrungsbasiert an der Gestaltung von Organisationsprozessen partizipieren können. Sie kommen durch das regelmäßige Treffen von Freiwilligen zustande, um ggf. unter Anleitung eines Moderators oder unter bestimmten Methoden sich über die Organisationsprozesse auszutauschen und sie anhand gewonnener (Arbeits-) Erfahrung zu überprüfen und zu verbessern. Ihre Inhalte können variieren. Entsprechend ihrem jeweiligen Hauptziel werden Begriffe wie Qualitätszirkel, Erfahrungszirkel, Problemlösezirkel oder Wissenszirkel verwendet. Erfahrungszirkel sind ein innovationsbegleitendes Instrument, das lokale Erfahrung um Information und Expertise ergänzen will. Vorrangiges Ziel ist die Mitgestaltung von bereits geplantem Wandel. Hier werden im Rahmen eines Zirkels singuläre Problemstellungen herauskristallisiert und gelöst. Wissenszirkel sind als innovationsauslösend zu verstehen. Sie kommen vor einem Wandel ins Spiel.

Informationsmanagement wird in der Fachliteratur unterschiedlich definiert. Das dynamische Umfeld der informationstechnischen Entwicklung und die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen (insbesondere die Wirtschaftsinformatik), die sich mit Informationsmanagement (genauer: Informations- und Kommunikationsmanagement) beschäftigen, sind der Grund dafür. Strategisches Informationsmanagement im militärischen Kontext wird von Carsten Bockstette als Planen, Gestalten, Führen, Koordinieren, Einsetzen sowie Kontrollieren von Informationen als Mittel zur erfolgreichen Auftragserfüllung definiert. Strategisches Informationsmanagement im betriebswirtschaftlichen Kontext wird von verschiedenen Autoren als Planen, Gestalten, Überwachen und Steuern von Informationen und Kommunikation im Unternehmen zur Erreichung der strategischen Unternehmensziele bezeichnet. Mit Informationsmanagement wird die Schnittmenge aus Führungsaufgaben und der als Informationsfunktion bezeichneten betrieblichen Funktion bezeichnet. Das Sachziel (Aufgabe) ist die Schaffung einer aufgabenorientierten Informationsverarbeitung und Kommunikation sowie die Gewährleistung der Informations- und Kommunikationsfähigkeit der Unternehmung durch Entwicklung, Aufrechterhaltung und Betrieb der Informationsinfrastruktur. Der eigentlichen (Kern-)Informationsfunktion obliegt hierbei die Beantwortung der Frage, "wer" etwas zur Erreichung des Sachziels tun soll (Organisation, Outsourcing etc.).

Ein Knowledge-Café ist ein relativ einfaches Wissensmanagement-Instrument für Gruppenaktivitäten wie Fachtagungen, Konferenzen oder Sitzungen. Besonders im englischsprachigen Raum (Australien, England, USA), aber auch in der Schweiz wird diese Form von Learning Communities am Rande von öffentlichen Konferenzen, Workshops oder Inhouse-Schulungen zu spezifischen Fachthemen von auf dieses Tool spezialisierten Anbietern durchgeführt. Am bekanntesten sind die Conversation-Cafés, die Gurteen Knowledge-Cafés und die World-Cafés. Knowledge-Cafés als Tool des personalisierten Wissensmanagements bieten die Möglichkeit der offenen, kreativen Konversation mit dem Ziel, ein besseres gemeinsames Verständnis sowie erste Lösungsansätze zu einer bestimmten Frage- oder Problemstellung zu entwickeln. Im Anschluss können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Ergebnisse beispielsweise in Form einer digitalen Mindmap dokumentieren. Somit bieten Knowledge-Cafés auch Ansätze für Strategiemethoden des kodifizierten Wissensmanagements. Der Einsatz von Knowledge-Cafés lockert steife Tagungsatmosphären auf und bietet die Möglichkeit, jedoch nicht die Pflicht des zwanglosen Austauschs. Diskussionen in Knowledge-Cafés können neue Inputs in Unternehmen geben, ohne sofort konkrete Lösungsansätze implizieren zu müssen. Sie können auch ein Forum für den Meinungsaustausch innerhalb der Mitarbeiterschaft sein und somit ergänzende Impulse für Entscheidungs- und Lösungsprozesse im Unternehmen bieten.

Ein Wissensprozess ist eine Menge von Wissensaktivitäten, die auf der Basis von Regeln auf ein bestimmtes Ziel hin ausgeführt werden und über Wissensobjekte geschäftsprozessübergreifend zusammenhängen. Ein Wissensobjekt ist das Wissen eines Wissensträgers zu einem abgrenzbaren Sachverhalt. Jedem Wissensobjekt ist genau ein Wissensträger zugeordnet. Dagegen kann ein Wissensträger mehrere Wissensobjekte aufnehmen. Beispiele hierfür sind das Wissen über Wettbewerber eines Vertriebsmitarbeiters oder das (kodifizierte) Wissen über Kunden in einer Kundendatenbank. Betriebliche Aktivitäten, welche den Zustand von Wissensobjekten ändern, werden als Wissensaktivitäten bezeichnet. Beispiele für Wissensaktivitäten sind Wissen entwickeln, Wissen löschen oder Wissen transferieren. Zur Abgrenzung von Wissensprozessen gegenüber Geschäftsprozessen existieren verschiedene Definitionen, deren Kernaussage ist, dass Wissensprozesse die Wissensversorgung von Geschäftsprozessen übernehmen. Remus und Lehner (2000) sprechen von “knowledge processes that regulate the flow of knowledge between various knowledge-intensive operative business processes”. Nach Diefenbruch et al. (2001) leisten Wissensprozesse “den Transfer und die Entwicklung von Wissen über Geschäftsfälle und Geschäftsprozesse hinweg”. Im Rahmen des Wissensmanagement hat die Betrachtung von Wissensprozessen eine hohe Bedeutung erlangt, da nur die gezielte Unterstützung der betrieblichen Prozesse mit dem relevanten Wissen Wettbewerbsvorteile verspricht.

Eine Wissensbilanz (engl.: intellectual capital statement) ist ein Instrument zur gezielten Darstellung und Entwicklung des intellektuellen Kapitals einer Organisation. Sie zeigt die Zusammenhänge zwischen den organisationalen Zielen, den Geschäftsprozessen, dem intellektuellen Kapital und dem Geschäftserfolg einer Organisation auf und beschreibt diese Elemente mittels Indikatoren. Die Wissensbilanz fokussiert die strategische Sichtweise von Wissen in Unternehmen. Während Wissensmanagement die Ressource Wissen auf operativer Ebene managt, beschäftigt sich die Wissensbilanz mit der strategischen Bedeutung von Wissen für die Wertschöpfung und die Zukunftsfähigkeit der Organisation. Einen wichtigen Bereich der Wissensbilanz stellt die Messung von Veränderungen im Wissensbestand dar. Somit ergänzen sich die beiden Konzepte optimal: Die Wissensbilanz gibt die strategische Richtung für das Wissensmanagementprojekt vor, die durch Maßnahmen des Wissensmanagements umgesetzt wird. Die Wissensbilanz wiederum stellt abschließend die erfolgte Veränderung des Wissensbestands und den erreichten Geschäftserfolg dar. Im Rahmen der Entwicklung von Wissensbilanzen wurde eine Reihe von Klassifikationen zur Identifikation unterschiedlicher Elemente des intellektuellen Kapitals vorgestellt. Ein im deutschsprachigen Raum weit verbreitete Unterteilung ist jene, die zwischen Human-, Struktur-, und Beziehungskapital differenziert und im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms MERITUM entwickelt wurde.

Persönliches Wissensmanagement (englisch personal knowledge management), synonym auch individuelles Wissensmanagement genannt, ist ein Selbstführungskonzept, das darauf abzielt, Wissensbestände und Lernprozesse eigenverantwortlich und geschickt zu handhaben. Im Unterschied zu Wissensmanagement auf organisationaler Ebene geht es beim persönlichen Wissensmanagement nicht um Wissen in einem Team oder in einem Unternehmen, sondern um die Sichtweise eines einzelnen Individuums - unerheblich, ob im beruflichen oder privaten Umfeld. Persönliches Wissensmanagements integriert Beiträge aus unterschiedlichen Fachgebieten zu übergeordneten Konzepten und Methoden. Eingebunden in diesen Rahmen sind insbesondere Zeitmanagement, Selbstmanagement, Informationsmanagement, Lernpsychologie, Lernstrategie, Stress- und Fehlermanagement, Kompetenzmanagement sowie Networking und Kommunikationsmanagement. In der Bedeutung des "European Guide to Good Practice in Knowledge Management" wird persönliches Wissensmanagement definiert als „ein Bündel von Konzepten, Methoden und Instrumenten zur Strukturierung und Ordnung von individuellen Wissensbeständen, welches es den Mitarbeitern ermöglicht, Verantwortung dafür zu übernehmen, was sie wissen und wen sie kennen“. Ausgangspunkt für persönliches Wissensmanagement ist stets die Reflexion der individuellen Denkweisen und Handlungen, um die eigene Effizienz und die der partizipierenden Personen im Lern- und Arbeitsbereich zu verbessern.

Ein Wissensaudit ist ein Review des Wissens, das von einer Organisation oder einer Organisationseinheit zur Erreichung ihrer Ziele benötigt wird. Es enthält eine Bedarfsanalyse, ein Informations-, Kompetenz- und Kommunikations-Audit und ein Review der Zusammenarbeit und der Wissensflüsse. Das Wissensaudit ist ein Verfahren zur Erfassung des derzeitigen und des idealen Umgangs mit Wissen in Organisationen. Ziel des Wissensaudits ist es, Verbesserungspotentiale bei dem Wissensaufbau, bei der Wissensverteilung und bei dem Wissensgebrauch zu erkennen. Dabei berücksichtigt das Verfahren sowohl das Wissen und die Fertigkeiten der Mitarbeiter als auch die Organisationskultur und die technische Infrastruktur zur Wissensverteilung und zur Dokumentation. Das Wissensaudit ist somit ein Verfahren des strategischen Wissensmanagements. Beim Wissensaudit wird das Management von Wissen als eine umfassende und komplexe Aufgabe betrachtet. Das Wissensmanagement muss demnach viele sich gegenseitig beeinflussende Aspekte berücksichtigen. Dazu gehören: das Erfahrungswissen, die Fachkompetenz und die handwerkliche Fertigkeiten der Mitarbeiter; das Wissen, das sich in Form von Prozessen angesammelt hat; die Organisationskultur, die einen Austausch unter Kollegen fördert oder eher behindert; die Ausstattung und Nutzung technischer Systeme; das Aus- und Weiterbildungsprogramm und die Personalpolitik der Organisation.


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